Regina Spektor – Far

Regina Spektor - Far (2009)
Regina Spektor - Far (2009)

Wer von Moskau in die USA geht muss es noch lange nicht schaffen – Regina Spektor hat es geschafft: Die gebürtige Russin schreibt faszinierende Songs, die teils wie Diamanten strahlen. Mit variabler Stimme, schönen Ideen, tollen Piano-Passagen, sowie klug inszenierten Elektro-Beats könnte Regina Spektor fast als die kleine Schwester von Tori Amos durchgehen. Detaillierter, körperhafter und farbenfroher Klang wärmt dabei das HiFi-Herz.

Jetzt scheint es jedoch etwas ruhiger um sie geworden zu sein, auf den ersten Blick auch weniger bissig – doch Regina Spektor, die „Wahl New Yorkerin“  mit der glasklaren Stimme, wusste bislang immer noch Widerhaken in ihre Songs einzubauen und das beweißt sie uns nun, mit ihrem aktuellen Album „Far“, auf ein Neues.

Dabei verlagert sich Regina Spektor noch ein gutes Stück weiter in Richtung Piano-Pop-Diva. Denn die Spitzen sind besser versteckt und ihre Texte tragen nicht mehr das Image einer frechen Göre so vor sich her. Regina Spektor legt in ihren Songs subtil falsche Fährten: Oft fordert sie zum Sinnieren heraus, etwa mit dem Bild der unentschlossenen Vögel in „Two Birds“ („One says come on / And the other says I’m tired“); eine Geschichte um eine gefundene Brieftasche („Wallet“) wiederum suggeriert ein Mysterium, um es dann ganz banal zu killen. Die lustvolle Selbstbespiegelung Spektors zieht sich auch durch die Musik (das Stück „Dance Anthem Of The 80s“ klingt genau so, wie es heißt), und doch droht die Künstlerin an keiner Stelle an Ironie zu ersticken: Dafür ist ihre Stimme zu aufrichtig schön, ihre Ausdrucksweise zu vielfältig. Gewiss wurde viel Arrangement-Energie investiert, um die Pianoballaden hymnisch anwachsen zu lassen, Spektors Stimme mal auf Distanz zu halten und dann wieder im Flüsterton ans Mikro zu holen. Das Endprodukt zeigt schließlich, dass sich der Aufwand gelohnt hat: Man hört dem Album keinerlei Mühe an.