Florence + the Machine – How Big, How Blue, How Beautiful

f3a3c8b70fa881fef1d0c43cfe5868dde98eb9f2Während die beiden Vorgänger „Lungs“ und „Ceremonials“ doch sehr realitätsferne Themen wie Fantasiewelten behandelten und man sich beim Interpretieren der Texte mit allerhand Metaphern herumschlagen musste, widmet sich Frau Welch auf dieser Platte universell zugänglichen Motiven wie Liebe und Sehnsucht. Sie rechnet ab mit vergangenen Beziehungen und ihrem ruhelosen Ich und gewinnt letztlich die Erkenntnis, dass Dinge manchmal einfach kaputt gehen – das Leben geht dennoch weiter.

Gewohnt laut bringt sie diese Erkenntnis an den Mann. Die gute erste Hälfte der Songs hat vor allem eins gemeinsam: Einen langsamen, sanften Anfang, der relativ schnell in einer rockigen Indie-Hymne mündet. Hier herrscht Aufbruchstimmung, aber Mitschunkeln ist jederzeit erlaubt. Es ist unüberhörbar, dass die Britin leidet und kämpft, letztlich aber wieder gefestigt und mit beiden Beinen im Leben steht.

Großartige Bläser-Arrangements paaren sich auf „How Big How Blue How Beautiful“ mit Chören, orchestralen Elementen und vielen Gitarren. Dank Welchs kraftvoller Stimme steht der Gesang auf einem Level mit der sehr opulenten Instrumentierung. So manches Mal denkt man beim Hören, man sei gefangen im Beginn eines epischen Films, etwa beim Intro zu „Queen Of Peace„. Am Ende von „Third Eye“ dagegen befindet man sich im Abspann und fühlt sich wie nach einem erfüllten Kinoabend. Und das Trompeten-Outro des Titeltracks „How Big How Blue How Beautiful“ ist an cineastischen Aspekten sowieso kaum zu übertreffen.

Dass es ihr persönlichstes Album bisher ist, zeigt sich nicht nur dadurch, dass Drama Queen Florence ganz alleine mit ihrem Vornamen auf dem Cover verweilt – die Band steht mittlerweile definitiv im Hintergrund. Auch klingt die Sängerin erwachsener und weiser, als hätte sie einen Sturm hinter sich gelassen. Bei ihr waren das vielleicht Nervenzusammenbrüche, Beziehungsprobleme und Eskapaden, die sie durch die Songs bewältigt. Dabei herausgekommen ist eine Platte mit elf (in der Deluxe-Version sogar 16) kraftvollen Stücken voller Emotionen, Pathos und Opulenz. Florence ist trotz des Breakdowns ganz die Alte geblieben.

Eine der besten Platten des Jahres 2015!