Depeche Mode – Sounds Of The Universe

Depeche Mode – Sounds Of The Universe (2009)

Sounds Of The Universe
Sounds Of The Universe

Bereits „Wrong“, die erste Single aus dem neuen-Depeche Mode-Album Sounds Of The Universe, kam mit den 80-er-Beats so wuchtig und ironisch daher, dass berechtigte Neugierde angesagt war. Nimmt man den Text wörtlich, müsste man dem britischen Elektronik-Trio recht geben: zur falschen Zeit die falschen Töne. Ganz bewusst und mutig setzen Martin Gore, Dave Gahan und Andy Fletcher auf Experimente statt auf Gefälliges, kramen aus dem 80-er-Jahre-Fundus nicht nur analoges Gerät, sondern auch Beeps und Sounds aus, die man schon vergessen glaubte – dazu die deutschen Pioniere Custer oder Neu!.

Wider alle Hörgewohnheiten lautet die Devise schon beim Auftakt zu „In Chains“ mit irritierendem Kurzwellen-Gepiese und Frühzeit-Elektronik, das in eine düstere Hymne über Begehren übergeht. Thematisch bleibt das Trio also auch wieder ganz hedonistisch bei sich selbst, bei erotischen Obsessionen, seelischen Abgründen und intelligent verpackten Arroganz. Wie etwa bei „Hole To Feed“ mit einem schrägen Rockabilly-Riff, „Come Back“ dem lautstarken, effektvollen Electro-Rock, dem Glam-Rock-Knaller „Corrupt“ und „Fragile Tension“, das eine zerrige Gitarre noch ungeduldiger und rigoroses klingen läßt. Kraftwerks Philosophie der„Mensch-Maschine“ spricht aus dem romantischen Maschinen-Stückchen „Little Soul“, Samples der deutschen Elektroniker tauchen auch beim Techno-Gospel „Peace“ und dem instrumentalen Electro-Dance „Spacewalker“ auf. Sinnliche Verführung und Sündenfall als Mystik-Ballade – das ist „Jezebel“, ganz ruhig und sehr hintergründig – und sehr eindringlich. Auch mit ihrem zwölften Album haben Depeche Mode wieder mit den Regeln des Popgeschäfts gebrochen: Alles andere als gefällig, dafür aber gefällts.